Grenzdenkmalverein Hötensleben am Ende?

Hötensleben, den 26.02.2022
Knapp 30 Jahre nach seiner Gründung scheint die Geschichte des Grenzdenkmalvereins Hötensleben auserzählt zu sein. Er werde sich im Laufe des Jahres sehr wahrscheinlich auflösen, wie Vorsitzender René Müller gegenüber Volksstimme bestätigte.

 

Die Zeichen stehen aktuell klar auf Endstation, der Grenzdenkmalverein wird voraussichtlich noch in diesem Jahr abgewickelt, wie es im Wirtschaftsjargon heißt, wenn ein Unternehmen von der Bildfläche verschwindet. „Wir sind im Begriff, den Verein als solchen aufzulösen und die Arbeit ums Grenzdenkmal anderweitig fortzuführen“, sagt Vorsitzender René Müller.

 

Strukturvorgaben übersteigen das Leistbare

Müller leitet auch den Kulturausschuss der Gemeinde Hötensleben. In diesem Gremium sollen die Pläne kommende Woche erörtert und diskutiert werden. „Im Kern geht es darum, sich von den rechtlichen Zwängen zu befreien, denen ein Verein unterliegt und die wir nach Lage der Dinge aber nicht mehr länger bedienen können“, so Müller. „Wir können schlicht die Struktur für den Grenzdenkmalverein nicht mehr aufrechterhalten.“

Es sei vor allem akuter Personalmangel im Ehrenamt, der dem Vorsitzenden zu schaffen macht: „So, wie es aussieht, habe ich künftig keinen Stellvertreter und keinen Schriftführer mehr.“ Man könne den Vorstand also nicht mehr satzungskonform besetzen. Und Müller zufolge sei es nicht allein damit getan, die Posten auf dem Papier zu besetzen. Das sei mit ihm nicht zu machen, betont er. Die inhaltlichen und operativen Aufgaben müssten dann auch auf mehrere Schultern verteilt werden. Danach allerdings sehe es keinesfalls aus.

Dass darüber hinaus „kein wirkliches Vereinsgeschehen“ stattfinde, verstärke die Auflösungserscheinungen zunehmend. Man hangele sich von einer Veranstaltung zur nächsten, verzeichne dabei schon eine unbefriedigende Resonanz, die „in keinem Verhältnis zum Aufwand“ stehe, und auch dazwischen existiere man „leider ohne klassisches Vereinsleben“, konstatiert René Müller. Was auch daran liege, dass ein gut Teil der rund 60 Mitglieder nicht vor Ort ist, sondern regional weit verstreut lebt.

 

Eine AG als Alternative

Müllers Lösungsvorschlag nun: „Um aus dem Zwang herauszukommen, einen Vorstand zu besetzen, könnte man eine Arbeitsgemeinschaft unter dem Dach der Gemeinde bilden, ähnlich wie unser Hötensleber Arbeitskreis Heimatgeschichte mit dem Ortschronisten.“ So würde man aus Müllers Sicht die bürokratischen Erfordernisse, die einem Verein unweigerlich gestellt sind, umgehen und die Arbeit befreiter gestalten können. Denn eines sei klar: „Das Wirken insbesondere ums Grenzdenkmal ist wichtig und soll beibehalten werden.“

Ein Nachteil der Variante Arbeitsgemeinschaft: „Es fielen die Einnahmen aus den Mitgliedsbeiträgen weg. Das würde gewiss erst mal wehtun, da sie die Projekte am Grenzdenkmal fundamental mitfinanzieren. Wir müssten zum Ausgleich dann wohl mehr Spenden generieren.“

 

Auflösungsbeschluss wahrscheinlich im Herbst

Das letzte Wort in der Sache ist noch nicht gesprochen. „Vielleicht tun sich am Dienstag noch andere Wege auf“, meint Müller mit Blick auf die öffentliche Ausschussversammlung am 1. März (18.30 Uhr, Rathaus Hötensleben). Und er werde den Grenzdenkmalverein „auf jeden Fall noch bis August weiterführen.“ Die für Frühling angedachte Hauptversammlung ist deshalb auch zunächst aufgeschoben: „Es wäre sinnlos, jetzt ein Wahlversammlung abzuhalten und den Verein dann ein halbes Jahr später aufzulösen. Es wird wohl also darauf hinauslaufen, dass wir die Jahreshauptversammlung für Herbst einberufen und dabei dann den Auflösungsbeschluss fassen.“

Der Grenzdenkmalverein ist am 15. Dezember 1993 gegründet worden. Architekt dessen war Achim Walther, der in der Folge dann auch mehr als 22 Jahre lang als Vorsitzender fungierte, ehe er im Alter von 80 Jahren ins zweite Glied trat. 2013 wurde Walther für seine ehrenamtliche Forschung und Tätigkeit an der Aufarbeitung der Verbrechen der SED-Diktatur mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

 

Foto: Die authentisch erhaltene DDR-Sperranlage ist das Herzstück des Grenzdenkmalvereins. Die Arbeit und Projektentwicklung darum soll auch im Falle der Vereinsauflösung beibehalten werden. 

 

Text und Foto: Ronny Schoof - Volksstimme

 

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