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Persönlichkeiten - Teil II

Kauzleben ließ Straßen bauen und richtete eine Schule ein

 

Mit Gottfried Riemann (1831-1909) fand auch ein Magdeburger den Weg nach Hötensleben. Der gelernte Gelbgießer richtete nach sei-ner Wanderzeit am 1. April 1858 in Hötensleben am Mühlendamm (heute Bahnhofstraße 7) eine kleine Werkstatt ein. An einer einfachen Maschine erzeugte er Wasserleitungsartikel für die Zuckerfabriken Hötensleben und Wackersleben. 1859 gründete Riemann im Ort die „Armaturenfabrik und Metall-Giesserei". In der heutigen Schulstraße 5/6 ließt Riemann (inzwischen Gelbgießmeister) zwischen 1868 und 1870 eine Gelbgießerei und eine Dreherei errichten, die sich schnell zu einem „umfangreichen Fabriketablissement mit ausgedehntem Geschäftsbetrieb" entwickelten. Damit war der Grundstein für das heute noch existierende Armaturenwerk gelegt, in dem 1895 bereits 90 Arbeiter beschäftigt waren. Die Erzeugnisse der Riemannschen Armaturenfabrik, ein breites Sortiment an Wasserleitungsartikeln, Maschinen- und Dampfkesselarmaturen, Rohguss aus Messing, Rotguss, Bronze- und Grauguss für die Bergbaubetriebe und Zuckerfabriken, wurden auch über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt (Holland). Das 1902 auf dem Gelände des Armaturenwerkes errichtete Elektrizitätswerk verbesserte die Lebensbedingungen der Einwohner, denn es belieferte Haushalte mit Strom und sorgte für die Beleuchtung des Ortes.

 

Carl Kauzleben wurde in Harbke geboren
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Ehrenfrieds Kauzlebens Sohn Carl Kauzleben (1850-1899), geboren in Harbke, studierte nach dem Abitur Bergbauwissenschaften an der Bergakademie Clausthal. Als Diplom-Bergbauingenieur trat er mit 29 Jahren das Erbe seines Vaters an, das er zielstrebig fortsetzte. Durch den Aufkauf der Schächte der Vereinigten Altonaer Kohlenzechen (Warsleben/ Ottleben) schaltete er seine Konkurrenz aus. Zur Verbesserung der Absatzmöglichkeiten ließ Carl Kauzleben die Straße von der Siedlung über Neubau nach Wackersleben errichten und unterstützte finanziell den Bau der Chaussee von Gunsleben nach Aderstedt. Er hatte auch Anteil daran, dass es zur Gründung der Oschersleben-Schöninger-Eisenbahn (OSE) kam. Carl Kauzleben war sehr sozial eingestellt. Ausgeschiedenen Bergarbeitern zahlte er eine jährliche Rente. Die Einrichtung einer Schule 1893, die Inbetriebnahme eines Krankenhauses 1898 und die Bezahlung einer Krankenschwester gingen gleichfalls auf sein Konto. Der Tod seiner Frau 1897 war sicher die Hauptursache dafür, dass er sich zwei Jahre später erschoss. Im Mausoleum fand er neben dem Vater seine letzte Ruhestätte.

 

Rudolf Heinrich Strube eröffnete 1878 seine Praxis

 

1878 machte sich Dr. med. Rudolf Heinrich Strube (1850-1919) aus Sargstedt in Hötensleben sesshaft. Der Sohn des dortigen Kantors Heinrich Strube und dessen Ehefrau Mathilde hatte sein Medizinstudium erfolgreich abgeschlossen und eröffnete am 1. Juni des genannten Jahres in der heutigen Nordstraße 1 in Hötensleben eine Arztpraxis. Dr. Strube war der erste akademisch ausgebildete und promovierte Arzt, der sich in Hötensleben niederließ. 1879 heiratete er Alwine Mathilde Ottilie Deicke, eine Tochter des Halbspänners Andreas Deicke und dessen Gattin Dorothee aus Warsleben. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor. Die Praxis des Geheimen Sanitätsrates war gut frequentiert, denn auch aus den umliegenden Ortschaften profitierten zahlreiche Patienten von seinem fachlichen Können. Dr. med. Rudolf Heinrich Strube übte den Beruf bis zu seinem Tode am 8. Juli 1919 aus. Er fand auch in Hötensleben seine letzte Ruhestätte.

 

Richard Deike trat in den preußischen Staatsdienst ein
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In der Zeit, als viele Auswärtige den Weg nach Hötensleben fanden, trieb es Richard Deicke (1855-1930) aus dem Ort in die Fremde hinaus. Er war der Sohn des Malermeisters Fritz Deicke, den man im Ort sehr schätzte. Einer der Lehrer Richard Deickes im Ort war Carl Stieger. Mit 16 Jahren verließ der intelligente Junge seinen Heimatort, um eine höhere Schule zu besuchen und sich auf den Eintritt in den Preußischen Staatsdienst vorzubereiten. Nach verschiedenen Dienstort-Stationen wurde Richard Deicke 1891 im Alter von 36 Jahren nach Berlin berufen. Seine Verbindung zur Heimat hatte er nie verloren, auch seinem Lehrer Carl Stieger blieb er zeitlebens verbunden. Nach der erfolgten Pensionierung 1921 setzte Richard Deicke seine Recherchen zum Verlauf der Hötensleber Ortsgeschichte von 1864 bis 1921/22 intensiv und zielstrebig fort. Deickes Arbeit erschien zunächst als Artikelserie in der „Schöninger Zeitung". Er hatte sich zuvor entschlossen, Stiegers Nachrichtenbuch in sein Werk aufzunehmen. Dessen Inhalte kenn zeichnete er mit „Alt". Seine eigenen Darstellungen der Jahre von 1864 bis 1921/22 versah er mit der Bezeichnung „Neu". 1922 erschien die Serie „Unsere Heimat – Nachrichten über das Dorf Hötensleben" auch als Buch, das heute noch als wichtige Informationsquelle zur Ortsgeschichte dient.