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Persönlichkeiten - Teil III

Oberamtmann Brandes erweiterte Rübenanbaufläche und baute Zuckerfabrik

 

Eduard Brandes, Carl Lange, Vater und Sohn Franz Keil sowie Heinrich Gödecke wirkten in der Zeit zwischen 1828 und 1904 in Hötensleben in verschiedenen Aufgabenbereichen. Sie leisteten allesamt einen Beitrag zur Entwicklung des Dorfes. 

 

Einen großen Anteil daran, dass 1856 in Hötensleben eine Zuckerfabrik in Betrieb genommen werden konnte, hatte der Pächter des hiesigen Amtes.

 

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Oberamtmann Eduard Brandes (1803-1860)

 

Der gebürtige Offlebener war 1828 mit in die Pachtung des Amtes Hötensleben eingetreten, das Frau Hahn, seine Schwiegermutter, nach dem Tode ihres Gatten Friedrich weiterführte. Brandes verfügte über eine solide kaufmännische, juristische und landwirtschaftliche Ausbildung, die sich bald für das Amt auszahlte. 1840 ließ er auf dem Gelände eine Spiritus-Brennerei errichten und kurz danach eine Dampfmühle bauen. Als nach 1850 die Nachfrage nach Rübenzucker immer größer wurde, entwickelte sich der Zuckerrübenanbau zügig zum bestimmenden landwirtschaftlichen Faktor in der Region. Brandes erweiterte die Anbaufläche des Amtes und strebte die Verwertung der Rüben durch den Bau einer Zuckerfabrik vor Ort an. Für sein Vorhaben fand er in den einheimischen Ackermännern (später Großbauern) Heinrich Vasel und Andreas Vasel Mitstreiter, denn beide hatten sich ebenfalls dem Rübenanbau zugewandt. Die Drei bildeten mit den Amtmännern Hermann Wahnschaffe aus Warsleben und August Bansa aus Schöningen eine Gesellschaft und nahmen das Projekt in Angriff. Für die Unterbringung der auswärtigen Saisonkräfte errichtete Brandes in der heutigen Ohrsleber Straße 2 eine Arbeiterkaserne. Die Zuckerfabrik Hötensleben war danach für den Ort 130 Jahre lang ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und Arbeitgeber. Carl Stieger (1820-1887), Chronist dieser Zeit, würdigte Eduard Brandes in seinem Buch „Nachrichten über das Dorf Hötensleben" als eine in „jeder Beziehung integere Persönlichkeit, die die Untergebenen immer korrekt und verständnisvoll" behandelte.

 

Ein wichtiger Schritt zur Großproduktion

 

Als 1871 die in Konkurs gegangene Gewerkschaft Viktoria (zwischen Offlebener und Barneberger Straße) zwangsversteigert wurde, erwarb der Magdeburger Kaufmann und Unternehmer Carl Lange 999 Kuxe (Kapitalanteile) und damit die Grube. Schritt für Schritt brachte er den Betrieb trotz vieler Probleme wieder in Gang. 1876 sorgte Lange dafür, dass der Abtransport der Kohle schneller vonstatten gehen konnte und die Lieferzeiten kürzer wurden, denn er ließ ein Anschlussgleis an die Bahn in Völpke legen. 1880 entschloss sich der tatkräftige Unternehmer zum Bau einer Brikettfabrik in Grubennähe. Eine vom Erfurter Hofrat Carl Exter entwickelte Presse (Exterpresse) ermöglichte unter hohem Druck die Herstellung von Briketts aus zermahlener Trockenkohle. Obwohl das Brikettierungsverfahren noch nicht ausgereift und die Produktionsbedingungen widrig waren (Trocknung der Kohle am offenen Feuer, noch unentwickelte Maschinen, kein Strom, Beleuchtung durch offene Petroleumlampen, Gefahr von Explosionen, keine Entstaubungsvorrichtungen, keine geeigneten Messapparate), nahm Lange das Wagnis auf sich. Die von ihm dadurch geleistete Entwicklungsarbeit und die dabei gewonnenen Erfahrungen waren ein wichtiger Schritt für die Entwicklung der Großproduktion und für die Industriealisierung der Region.

 

Seit 130 Jahren ein wichtiger Dienstleister

 

Eine öffentliche Ausschreibung und der danach erfolgte Zuspruch zur Einrichtung und Übernahme einer Apotheke in Hötensleben führte 1882 den Magdeburger Apo-theker Franz Keil sen. 1882 in den Ort. Zügig begann er im neu erbauten Haus auf dem Teute’schen Grundstück im Steinweg Nr. 40 (später 7) mit den erforderlichen Arbeiten. Bereits am 15. Januar 1883 konnte er die Apotheke eröffnen. Noch im gleichen Jahr übernahm sein Sohn Franz Keil jun. die Einrichtung. Dieser erweiterte das Angebot durch Waren der Drogeriebranche und führte das Objekt bis 1906. Einen großen Anteil daran, dass Hötensleben überhaupt eine Apotheke erhielt, hatte Dr. med. Rudolf Heinrich Strube (wir berichteten), der im Ort eine Arztpraxis betrieb. Dank seines unermüdlichen Einsatzes und seiner Beziehungen erteilte das Preußische Ministerium in Berlin die gewünschte Konzession. In den 130 Jahren ihres Bestehens erwies sich die Apotheke für den Ort und darüber hinaus als ein wichtiger Dienstleister.

 

Fünfzehn Jahre mit seiner Firma im Ort tätig

 

Heinrich Gödecke aus Halberstadt war als Maurer-und Zimmerermeister von 1889 bis 1904 in Hötensleben am Bau vieler Wohnhäuser sowie gewerblicher und anderer Gebäude beteiligt. Die rege Bautätigkeit im Ort hatte sich durch die fortschreitende Betriebsausdehnung der Gruben, der Industrie- und Landwirtschaftsbetriebe sowie den sich steigernden Zuzug von Fabrik- und Landarbeitern, Handwerkern, Gewerbetreibenden und Angestellten ergeben. Der Standort des Betriebes war in der Barneberger Straße 15 (heute 30). Später verkaufte Gödecke das Grundstück an die Aktienbrauerei Röderhof und kehrte nach Halberstadt zurück.

 

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Die Zuckerfabrik Hötensleben im Jahr 1912. Nach einem verheerenden Brand 1888 wurde sie wieder neu und modernisiert aufgebaut und ein Jahr später in Betrieb genommen