Lesung Verschleppt, Verbannt, Verschwunden
Der Grenzdenkmalverein hätte sich einen anderen Termin suchen sollen, denn die Veranstaltung war gegenüber den letzten nicht so gut besucht. Es hat niemand an den Valentinstag gedacht und dann auch noch mit so schwerer Kost. Am 14. Februar las im Anschluss an die Jahreshauptversammlung des Grenzdenkmalvereins im Rathaus von Hötensleben Frau Gritt Poppe aus dem zusammen mit ihrem Sohn Niklas geschriebenen Buch „Verschleppt, verbannt, verschwunden“.
Wenige wissen, dass der KGB in der sowjetischen Besatzungszone auch Jugendliche ab zwölf Jahren verschleppt, mit langer Lagerhaft oder mit dem Tode bestraft hat.
Es waren Schicksale Jugendlicher und junger Erwachsener, die in die Fänge des sowjetischen Geheimdienstes gerieten, verhaftet und verschleppt wurden – oft ohne, dass ihre Angehörigen damals etwas von ihrem Schicksal erfuhren. Es sind die Leidensgeschichten und Hafterfahrungen Betroffener aus der SBZ und DDR, die jung und unschuldig, oft für Jahre in einem der Speziallager der Sowjets und im Gulag verbrachten, nicht wenige mussten ihr Leben lassen. Erschreckend waren nicht nur die Bedingungen, die nur wenige überlebten, erschreckend war auch die Ohnmacht, in der sich die Opfer befanden.
Quelle der Porträts waren vor allem Interviews mit Zeitzeugen und Zeitzeuginnen, die bisher unveröffentlicht sind. Im Mittelpunkt des Buches stehen dadurch die Betroffenen selbst. Ihre Erinnerungen werden so wiedergegeben, dass sie für die Leser und Leserinnen emotional nachvollziehbar sind und deutlich wird, wie schwer und nachhaltig Menschenwürde und Menschenrechte verletzt wurden.
Für die Opfer war es wichtig, dass sie ihre Geschichte erzählen konnten. Sie waren auch ein wenig enttäuscht darüber, dass sich bisher nur wenige für sie interessierten. Auch in der BRD war das Interesse gering. Die meisten gingen nach ihrer Freilassung in die BRD, denn sie galten in der DDR weiterhin als vorbestraft. Nur wenige blieben meist aus familiären Gründen in der DDR. Einige die es überstanden, sind zu starken Persönlichkeiten geworden, andere leiden oder litten an posttraumatischen Belastungsstörungen. Der größte außenpolitische Erfolg von Konrad Adenauer bei seiner Moskaureise, die Freilassung der noch verbliebenen Kriegsgefangenen, verhalf auch vielen der hier genannten Opfer zur Freiheit.
Die anschließende Diskussion machte noch einmal deutlich, wie wichtig Aufarbeitung ist. Die Schicksale zeigten unmissverständlich, was Diktaturen anrichten. Ein Mensch hat dort keinen Wert. Diktaturen lassen sich nichts gefallen und, was erschreckend ist, auch nicht von Kindern. Frau Poppe hatte schon sehr wichtige Aufarbeitung mit dem Umgang mit Kindern in DDR-Werkhöfen betrieben. Ziel war es häufig Angst und Schrecken zu verbreiten, was aus den Kindern wurde, war denen egal. Es zeigt auch wieder, wie wichtig ein Engagement für unsere Demokratie ist, denn sowas brauchen wir nicht wieder.
Weitere Informationen
Veröffentlichung
Bild zur Meldung
Mehr über
Weitere Meldungen

Der Bürgermeister informiert
Mi, 01. Januar 2025
